Was italienische Gäste wollen

In den Schweizer Städten waren wieder mehr italienische Gäste anzutreffen. Märkteleiterin Christina Gläser erklärt, warum.

Hotellogiernächtezahlen italienischer Gäste in den Destinationen: Bitte wählen Sie mit dem Filter links in der Karte die Darstellungsperiode. Es stehen drei Optionen zur Verfügung: 2021, 2019–2021, 2020–2021. 

Hotellogiernächte:

2021 verzeichneten die Destinationen Zürich und Genf sowie die Destinationen OTR Luganese und Engadin St. Moritz am meisten Hotellogiernächte italienischer Gäste (erweiterter Zugang zum Management Information System nur für ST-Mitglieder).

Die meisten Destinationen verzeichneten 2021 bei den Hotellogiernächtezahlen italienischer Gäste immer noch ein grosses Minus, im Vergleich zum Vorpandemiejahr 2019.

Bei den italienischen Gästen konnten im Vergleich zu 2020 besonders die Destinationen in der Nordwest- und Nordostschweiz prozentual zulegen.

Erfahren Sie mehr über:

Die weitgehenden Reiserestriktionen 2020 waren für die Schweizer Hotellerie ein Tiefschlag: Die wichtigsten sieben Auslandsmärkte für die Destination Schweiz verzeichneten ein Minus von 37,7 % (Frankreich) bis 91,5 % (Greater China) verglichen zu 2019. Und in Italien lag das Minus bei 49,7 %.

Welche Tourismusregion konnte 2021 das grösste prozentuale Wachstum italienischer Gäste verzeichnen?

  1. Jura & Drei-Seen-Land
  2. Region Basel
  3. Region Genf
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Die Region Jura & Drei-Seen-Land verzeichnete im Jahr 2021 88,5 % mehr Hotellogiernächte von italienischen Gästen als im Vorjahr, gefolgt von der Region Basel mit einem Plus von 85,1 %.

Quiz wiederholen

2021 sah die Situation dank der weitgehenden Öffnung der europäischen Grenzen etwas besser aus, aber die Bilanz ist im Vergleich zu 2019 immer noch tiefrot. Zumindest in den europäischen Märkten geht es langsam aufwärts, das zeigen die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS): Freude machten beispielsweise die italienischen Gäste in den grossen und kleinen Städten in den Sommermonaten Mai bis August 2021 mit einem Plus von insgesamt 64,5 % im Vergleich zum Vorjahressommer.

Die beliebteste Tourismusregion bei den italienischen Gästen im Jahr 2021 war wie schon im Jahr davor die Region Tessin, gefolgt von den Regionen Zürich und Graubünden, in absoluten Zahlen gemessen.

 

Was die italienischen Gäste in der Schweiz, angesichts der Pandemie suchten, erklärt Christina Gläser, Marktleiterin Italien.

Christina Gläser

Marktleiterin Italien

Christina Gläser, wissen Sie, was die italienischen Gäste wollen, wenn sie Ferien in der Schweiz machen?

Dolce Vita verbunden mit Qualität. «Genuss» ist das Schlüsselwort für die Bedürfnisse des italienischen Gasts in den Ferien. Diesen sucht er oder sie in der Schweizer Einzigartigkeit der Kultur und Natur. Dazu zählen das vielfältige und konzentrierte Angebot in unseren Boutique-Städten oder die spektakuläre Natur in den Schweizer Bergen. Klassische Ferienmotive des italienischen Gastes sind Erholung und Sport in der Natur, ein Kulturwochenende in einer Schweizer Stadt sowie Erlebnisse im Bereich Wellness & Gastronomie.

Der typische italienische Gast kommt gemäss TMS aus Norditalien (70,7 %) und ist über 35 Jahre alt (74 %). Und wenn es die Destination Schweiz einmal geschafft hat, das Herz eines italienischen Gastes zu erobern, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er oder sie zur Stammkundschaft gezählt werden darf, mit sechs oder mehr Besuchen (44 %).

Haben sich das Gästeverhalten und die Bedürfnisse seit der Pandemie verändert?

Die Pandemie hat die Italiener geprägt, und Reisen ins Ausland werden zurzeit noch mit einem gewissen Vorbehalt unternommen und sehr kurzfristig geplant. Von diesem «konservativen» Reiseverhalten kann die Schweiz jedoch profitieren. Mit gezielten Marketingaktivitäten werben wir noch stärker für die Nähe und die attraktiven Zugverbindungen zwischen den beiden Ländern.

In Bezug auf ihre Bedürfnisse hat sich bei den italienischen Gästen jedoch wenig geändert. Höchstens der Wunsch nach Natur und Erholung, die sie zusammen mit ihrem sozialen Netzwerk erleben wollen, ist noch ausgeprägter geworden. Grundsätzlich sind die italienischen Gäste dafür bekannt, dass sie bei ihrer Ferienplanung «Gewohnheitstiere» sind, weshalb erste positive Ferienerlebnisse fundamental für eine langfristige Gästegewinnung sind.

Was bietet das Ferienland Schweiz, was die italienischen Gäste nicht schon von zu Hause kennen?

Qualität ist dem typischen italienischen Gast in der Schweiz sehr wichtig. Diese geniesst er bei uns in aller Vielfalt. Sie schätzen unsere Pünktlichkeit, Organisation und perfekte Infrastruktur, weil solche Attribute einen hohen Erholungsfaktor garantieren. Nicht vergessen darf man ihre spezielle Leidenschaft für unsere Panoramazüge und den berühmten «trenino rosso». Der Norditaliener oder die Norditalienerin macht zudem gerne Weekendtrips. Durch die schnelle Erreichbarkeit per Zug oder Auto bietet sich die Schweiz geradezu an als perfekter Rückzugsort für Entspannung und Energie am Wochenende.

Die Nachhaltigkeitsbewegung ist in den letzten Jahren immer grösser geworden. Inwiefern zeigt sich das auch in Italien?

In Italien steht die Nachhaltigkeit ebenfalls im Fokus, und Mailand wurde dieses Jahr als nachhaltigste Stadt für ihre Initiative als «Stadt ohne Abfall» ausgezeichnet (The Earthshot Prize). Gleichzeitig reisen immer noch viele italienische Gäste gerne mit dem Auto in die Schweiz. Wir setzten 2021 deshalb einen starken Fokus auf die Promotion von Zugreisen und machten in diesem Zusammenhang auch auf die Nachhaltigkeitsstrategie «Swisstainable» von Schweiz Tourismus ST aufmerksam. Für so grosse Ambitionen braucht es starke Botschaften und Trägerinnen, die gehört werden. Wir konnten uns deshalb kein besseres Gesicht für die nachhaltige Schweiz vorstellen als TV-Moderatorin Michelle Hunziker. Im Rahmen der Kampagne Swisstainable präsentierte sie ihrem italienischen Publikum mit ihrem humoristischen und fesselnden Charme ihre «grüne» Reise durch die Schweiz. Dank Michelle konnten wir 2021 die nachhaltige Schweiz das ganze Jahr ins Rampenlicht stellen. Wir erreichten damit auf den verschiedenen Medienkanälen über 100 Millionen Mal die Herzen in Italien.